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„Dem System eine Seele geben“

Soziallotsin Tabea Blischke im Beratungsgespräch

Weitere Ehrenamtliche für Lotsenpunkt gesucht

Im April 2014 startete der Aufbau eines Lotsenpunktes im Seelsorgebereich Bad Godesberg. Ein Jahr vorher hatte das Erzbistum diese Initiative ins Leben gerufen. Heute gibt es insgesamt fast 50 „Lotsenpunkte“ zwischen Euskirchen, Neuss, Wuppertal und Altenkirchen. Rund 350 Menschen engagieren sich laut Angaben des Erzbistums hierfür ehrenamtlich.

Eine von ihnen ist Tabea Blischke, die sich seit den Anfängen des Lotsenpunktes bei St. Marien einmal pro Woche zwei Stunden freihält. Sie gehört zum Team von derzeit sieben Ehrenamtlichen.

„Neue Mitstreiter sind herzlich willkommen und werden dringend gebraucht“, so Diakon Gerd Klein, im Godesberger Pastoralteam zuständig für den Lotsenpunkt. Interessenten absolvieren eine Schulung, die sie auf ihre Aufgabe vorbereitet. Für den eigentlichen Einsatz benötigen sie dann, wie Tabea Blischke, nicht viel mehr als ein Laptop, den Raum der ehemaligen Pfarrbücherei Am Fronhof 17 (in dem zwischen 12.00 und 14.00 Uhr der Suppenhimmel seine Gäste bewirtet), etwas Zeit und ein offenes Ohr für Menschen in Not.

Die 36-jährige Godesbergerin, langjährige Firmkatechetin und Mitglied im Gemeindeausschuss Rheinviertel, motiviert ihr „christliches Grundverständnis da zu sein, wenn jemand etwas braucht“ für ihren Dienst im Lotsenpunkt. Der niederschwellige Zugang zu Information und Hilfe sowie das vorbehaltlose Zuhören zeichnen das Angebot aus. Es steht unter dem Motto „Irgendwas geht immer“ und ist offen für jeden, egal ob und welcher Religion man angehört. Getragen wird der Lotsenpunkt Bad Godesberg vom Seelsorgebereich und der örtlichen Caritas. Die Godesberger Anlaufstelle haben im vergangenen Jahr rund 300 Menschen aufgesucht.

Die Anliegen, die hier zur Sprache kommen, sind sehr vielfältig. Ob die Suche nach günstigem Wohnraum, Hilfe bei Formularen, der Zugang zu finanzieller Unterstützung, gesundheitliche Sorgen oder eine Schuldnerberatung – Lotsin Tabea Blischke sammelt alle Informationen des Hilfesuchenden, klärt Ungereimtheiten und schöpft dann aus ihrem Erfahrungsschatz: „Ich kenne die passenden Fachdienste und kann einen Termin vorbereiten helfen. Oder bei dringendem Bedarf jemanden direkt dort anrufen.“ Die Mitarbeiter seien durchaus dankbar für solche Unterstützung. Dieser „Blick von der anderen Warte ins Sozialsystem“ sei für sie selbst interessant und bereichernd, so Tabea Blischke.

Ein sehr häufiges Thema, vor allem bei älteren oder geflüchteten Menschen, sind Formulare: „Ich weiß aus Erfahrung meistens schon, welche Angaben notwendig sind und was man sonst noch an Unterlagen braucht“, erklärt die Lotsin. Das vermittelt sie dann geduldig und verständlich. Sie könne den Hilfebedarf an dieser Stelle besonders gut nachvollziehen, denn für sich persönlich habe sie eine echte „Formularallergie“.

Manches Problem lösen die Ehrenamtlichen im Lotsenpunkt, der jeden Tag zwei Stunden am Vor- oder Nachmittag geöffnet hat, ganz schnell und unkompliziert. Manches aber braucht mehr Aufwand, muss erklärt oder genauer recherchiert und gut überlegt werden. Insbesondere das schwierige Wohnungsthema sei für viele eine Belastung. Aber: „Ich achte sehr darauf, die Menschen nie abzufertigen“, sagt Tabea Blischke. Wenn keine anderen Besucher warten, würde man schon mal gemeinsam die Angebote im Internet durchforsten. Es gebe mittlerweile auch „Stammkunden“, erzählt die Lotsin. „Mir ist es persönlich dann schon wichtig, dass jemand seine Lage ändern und voran kommen möchte“, erklärt sie. Sie mache ihre Arbeit sehr gerne und nennt es „dem System eine Seele geben“. Ein Satz ist ihr in besonderer Erinnerung: „Ein Herr sagte beim Hinausgehen, ‚ich komme Sie wieder besuchen‘, und über Besuch freut man sich doch eigentlich immer.

Der Lotsenpunkt Bad Godesberg, Am Fronhof 17 ist geöffnet:

  • Dienstag, Freitag 9.00–11.00 Uhr,
  • Montag, Mittwoch, Donnerstag 15.00–17.00 Uhr

Sie möchten sich ehrenamtlich beim Lotsenpunkt Bad Godesberg engagieren? Dann melden Sie sich beim Koordinator des Lotsenpunktes:
Diakon Gerd Klein
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Telefon: 0228 92390928
Mobil: 0159 01142338

Text: Stephanie Rieder-Hintze

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