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Hochkreuz

Heilig Kreuz

Lage und allgemeine Merkmale

Der 1965 eingeweihte Kirchenbau zu Heilig Kreuz verkörpert das jüngste Sakralbauwerk der Großgemeinde Bad Godesberg Rheinviertel. Ausschlaggebend für die Namensbezeichnung ist ein, heute (als Reproduktion) auf der B9 (Abbiegung Kennedy Allee) stationiertes „Hochkreuz“ aus der Mitte des 14. Jahrhunderts. Das Original weilt aus Sicherheitsgründen und konservatorischen Überlegungen inzwischen im Rheinischen Landesmuseum Bonn.

Abgerückt vom Straßengetriebe, am Ende einer Sackgasse angesiedelt, erhebt sich auf einem quadratisch zugeschnittenen Grundstück ein majestätisch anmutender Kirchenkomplex. Gegenüber dem Gotteshaus erhebt sich als separierte Einheit ein freistehender, 1967 erbauter Glockenturm. Als Baumeister wirken hier das Architektenduo Stefan Leuer (siehe St. Andreas) und Willi Zachert. Das durchgängig mit roten Ziegeln bedeckte Sakralbauensemble bildet zusammen mit unmittelbar angrenzenden Gemeindeeinrichtungen gleichsam ein in sich geschlossenes Gottesreich auf Erden.
Kerngedankenbild einer, auf geometrische Formen und Korrespondenzen setzenden Bauart ist die Vorstellung eines „Zeltes Gottes unter den Menschen“. Nicht zuletzt erweist sich das archaische, biblische Namensbild als besonders sinnvoll in einem Areal, das von je her von Internationalität (Auswärtiges Amt) ebenso wie von auffallender Bevölkerungsfluktuation gekennzeichnet ist. Ortsbezogen erscheint folglich ein Gotteshaus, dessen Architektur die Vorstellung eines weit gespannten, offenen und zusammen führenden Gotteszeltes mitteilt.

 

Außenansicht: bestechend klare, schlichte Strukturen und stringent durchgespielte Zeltform

Eine dreieckige Stirnfront, die den schematisierten Grundriss eines Zeltes wiedergibt, bis auf den Kirchplatz heruntergezogene Bedachungen und drei Eingangstüren, erregen Aufmerksamkeit durch straffe und markante Strukturen sowie durch ausgewogene Proportionen.
Stufenförmig, prägnant versetzt, strebt ein dreigestaltiger Aufzug von insgesamt siebzehn zeltförmigen, verglasten Maueröffnungen auf den, mit Kreuzsymbol gekrönten Kirchengiebel zu.
Federführend innerhalb der, die Front zierenden Reliefarbeiten ist Bildhauer Sepp Hürten. Von dessen Künstlerhand geschaffen sind eine semiplastische Kreuzigungsdarstellung  (Hauptportal) sowie ein Reliefornament ( ebenfalls hellgrauer Muschelkalk), das am Seiteneingang die Symbole Weinstock, Ähre und Kelch zu sinngebenden Stillleben verdichtet.
Die Kirchenbauanlage selbst hat die Form eines quer gelagerten Rechtecks in dessen Hinterfront mittig die klassische Rundung der Apsis herausragt. 1984 erhält der sechsgeschossige Kirchturm sein heutiges Glockenensemble. Die Schallöffnungen des „Fingerzeiges Gottes“ bilden ein formales da capo der ostseitigen Kirchenfenster.


Der innere Kirchraum

Klare Formen und schlichte architektonische Transparenz prägen die prägnante Infrastruktur des Gotteshauses. Besondere Notiz verdient die pointierte Ästhetik von farbigen Fensterverglasungen, die konsequent die Zeltform reflektieren; die leuchtenden Fensterfüllungen stellen eine neuere, freilich die Lichteinwirkung dämpfende Errungenschaft dar. Im Altarbereich dominiert intensive Röte, Zeichen der göttlichen Liebe und Attribut des Heiligen Geistes.
Akzente setzen ferner: Estrich aus italienischem Naturstein sowie eine massive, aus rotem, kanadischem Zedernholz bestehende Kirchendecke. Das Gedankenbild des Zeltes vertieft weiterhin die fächerartige Holzstaffelung im Altarraum.
Linker Hand befindet sich ein eigenständiger Kapellraum, der als Taufkapelle wie auch als „Werktagskirche“ genutzt wird.
Taufstein und Brunnenrondell, Altar und Tabernakel stammen wiederum von Sepp Hürten. Neuerlich gestiftet wurde die Holzskulptur einer Pieta (rechte Vorderseite), die umstrahlt wird von einer madonnenblauen Glasfensterkulisse. Glasmosaike hinter Beichtstühlen und in unmittelbarer Nachbarschaft der Chorapsis verraten erneut nuancierte Mosaikkünste.
Ein Seitenaltargemälde wird dem bekannten Maler und Postexpressionisten Paul Magar zugeordnet. Es wurde 1977 vom Künstler angefertigt und ist 1,2 m breit und 2 m hoch. Der von August Macke und Heinrich Campendonk beeinflusste Godesberger thematisiert eine, aus sich überlagernden Farbformen zusammenfügende Bibellandschaft, wo Bethlehem und Golgatha zu einer visionären Synthese verschmelzen. 

Im Jahr 1972 wird die heutige Kirchenorgel installiert. Aufgrund ihrer optimalen Akustik ist der voluminöse Kirchenraum von Heilig Kreuz ein begehrter Ort für Life Konzerte, Rundfunkaufnahmen und CD Einstudierungen.

 

Text: Christina zu Mecklenburg
Herbst 2006