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„Die Welt braucht Idealisten“

Fronleichnamsprozession

Sehr große Beteiligung an Fronleichnam

„Die Welt braucht Idealisten!“ dieser Kernsatz stand im Mittelpunkt des diesjährigen Fronleichnamstages im Rheinviertel. Pfarrer Dr. Wolfgang Picken bezeichnete in seiner Predigt die beiden seligen Ordensgründerinnen Clara Fey und Katharina Kasper als Heilige des Alltags.

„Sie haben mit der Liebe ernst gemacht und ihr ganzes Leben der Mission der Liebe gewidmet“, so Dr. Picken. Beide Ordensfrauen hätten im Ausgang des 19. Jahrhunderts mit ihren neu gegründeten Schwesternkongregationen zugepackt, wo Zuwendung und Leidenschaft gefragt war. Die im letzten Monats selig gesprochene Clara Fey gründete Schulen und Kinderheime, um der Verwahrlosung der Kinder entgegen zu wirken. Katharina Kasper, deren Heiligsprechung im Oktober erfolgen wird, und ihre Dernbacher Schwestern wandten sich besonders Kranken und Sterbenden zu und bemühten sich um Menschen in sozialer Not. „Wir alle wissen, dass es auch heute in der Pädagogik, sowie in der Kranken- und Altenpflege erhebliche Probleme gibt. Wo familiäre Bindungen schwächer werden, stößt die Gesellschaft in der Begleitung von Kindern und der Versorgung der Pflegebedürftigen an Grenzen“, so Pfarrer Picken. Defizite entstünden, die von Politik und Gesellschaft nicht gelöst werden könnten. Vielerorts gebe es nicht genügend Personal, so dass es den betroffenen Kindern, Jugendlichen, Alten und Kranken an Zuwendung fehle. „Das macht deutlich, wir brauchen heute Idealisten der Liebe wie die beiden seligen Schwestern, wenn wir den Kollaps der Systeme und den Verlust der Würde des Menschen nicht riskieren wollen“, so Godesbergs Pfarrer weiter. Liebe lasse sich nicht finanzieren oder organisieren. Sie müsse engagiert gelebt werden. Deshalb brauche es eine Wertschätzung gegenüber jedem sozialen Engagement, damit sich junge Menschen diesen Aufgaben leidenschaftlich zuwenden. Die beiden Ordensgemeinschaften von Clara Fey und Katharina Kasper sind seit dem 19. Jahrhundert bis heute in Bad Godesberg tätig.

Zur der beliebten Openair-Messfeier auf dem Panoramaplatz oberhalb der Bastei waren gut 1.300 Menschen gekommen. Die Messfeier wurde von den Chören des Rheinviertels, über 140 Messdienern, vielen ehrenamtlichen Helfern und den Seelsorgern vorbereitet und gestaltet. Für die vielen Kinder wurde eine Kinderkatechese auf einer Wiese in Sichtweite des Altares angeboten. Auch in diesem Jahr sorgte die Dudelsackformation „The Rhine Area Pipes & Drums“ aus Düsseldorf für eine besonders festliche Untermalung der Messfeier sowie der Prozession. Im Festgottesdienst wurde ein stilles Gedenken an Niklas Pöhler gehalten, der zwei Jahren zuvor im Stadtteil Opfer einer Prügelattacke geworden war und an den Folgen verstarb. Zu diesem Anlass hatten sich auch die Mutter und Angehörige von Niklas Pöhler eingefunden.

Im Anschluss an den Gottesdienst zog eine lange Prozession am Rhein entlang nach Plittersdorf. Die Spitzengruppe bildeten die Gruppen aus den fünf Kindergärten des Rheinviertels. Sie führten Bollerwagen mit großen Symbolen, die Bezug zum Festtag nahmen, mit sich. Kinder, Erzieherinnen und Eltern hatten die Wagen in den letzten Wochen gemeinsam gestaltet. Messdiener und Jugendliche trugen eine große Zahl von Wimpeln und Fahnen, auch mit Portraitbilder von Clara Fey und Katharina Kasper. Die Gemeinde sang und betete im Wechsel mit den Musikbeiträgen des Dudelsackensembles. Insgesamt ergab sich ein sehr beindruckendes Bild einer lebendigen und frohen Gemeinde. Viele Ausflugstouristen und Fahrradfahrer blieben am Wegrand der Prozession stehen.

Nach dem Abschlusssegen in St. Evergislus folgte ein heiteres Beisammensein rund um den Kirchturm. Das Rheinviertelfest wurde vom Gemeindeausschuss vorbereitet. Neben dem leiblichen Wohl war für Unterhaltung und gute Atmosphäre gesorgt. Dazu zählten ein Kinderprogramm und eine Hüpfburg für die Kleinen, sowie musikalische Unterhaltung von den Chören der ausländischen Missionen und des Rheinviertels. „Open-Air-Gottesdienst und Prozession am Rheinufer und das Rheinviertelfest an Fronleichnam sind ein Ereignis. Es zeigt, wie stark im Rheinviertel die Gemeinschaft im Glauben ist und wie viele Menschen sich bemühen, nach den Idealen Jesu zu leben“, resümiert Pfarrer Dr. Picken. Verbunden mit dem Dank an alle Helfer und Gäste.