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Wort der Woche

Wenn wir in unserem Kulturkreis neuen Menschen begegnen, steht die Frage nach dem „Woher“ und dem „Wie denkst Du über dieses und jenes“ oftmals im Vordergrund. Wir nähern uns einander, indem wir versuchen zu verstehen, wo der oder die andere „zu Hause“ ist, worin unser Gegenüber verankert und wichtig ist, suchen nach Gemeinsamkeiten und Anknüpfungspunkten.

Das Kennenlernen zwischen den ersten Jüngern und Jesu bring immer wieder Erstaunliches zu Tage. Sie hören über ihn „Seht, das Lamm Gottes!“ Die Jünger hören dies durch Johannes und folgen Jesus. „Was wollt ihr?“, fragt er sie, worauf sie mit einer Frage antworten: „Meister, wo wohnst Du?“ Jesus antwortet einfach und doch weltbewegend: „Kommt und seht!“ Mit unseren heutigen Augen und Ohren auf diese Szene blickend, ergeben sich viele Fragezeichen, ja, manchmal sogar Unverständnis oder Achselzucken. Dieses wesentliche Zwischenstück, was Außenstehenden nicht zugänglich ist, was letztlich dazu führt, dass die Jünger Jesus folgen, ist wie eine „Black-Box“. Hier geschieht etwas, was der Allgemeinheit entzogen ist, zugleich jedoch Staunen auslöst. Wir sprechen von Berufung der Jünger, was weit aus tiefer geht als ein Kennlernen zwischen einer Jüngerschaft und ihrem Meister. Mit bloßen Augen und Ohren lässt sich diese Szene nicht erschließen und rekonstruieren. Wenn wir selbst unserer Berufung als Christen nachgehen, können wir entweder etwas sehr Entscheidendes im Leben festmachen, wo uns sozusagen der Ruf Gottes getroffen hat oder/und es sind viele Momente und Gegebenheiten, in der wir den Ruf erlebt und gespürt haben. Es ist faszinierend, wenn Menschen ihre Geschichte mit Gott erzählen, auch jene, die von Brüchen und Distanzen zu Gott geprägt sind, genauso aber auch jene Geschichten, die von einer durchgehenden und tiefinnigen Gottverbundenheit sprechen, welche ein ganzes Leben trägt. Zugegebenermaßen wäre es mir oftmals lieber, wir könnten in Gemeinde uns vielmehr unseren persönlichen Gottes- und Berufungsgeschichten widmen und einander staunend zuhören. Viele Reibungen und Konflikte würden in den Hintergrund treten. Solch tiefe geistliche Begegnungen sind oftmals der Schlüssel für das, was unter all dem steckt, wie wir uns sonst begegnen (müssen und wollen?).

Vielleicht ist es ein Versuch wert, in der nächsten Begegnung, im Gespräch die Frage zu stellen: „Wo bist Du zu Hause?“

Ihre
Pastoralreferentin Carmela Verceles

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