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Liebe Gemeinde,

es gibt leider genug Menschen, die nicht nur ihr eigenes Leben, sondern auch die ganze Welt überwiegend kritisch wahrnehmen. Sei es beim guten Essen, bei tollen Geschenken, bei faszinierenden Theaterstücken oder herzlicher Zuwendung der Familie, sie finden immer etwas zu meckern. Forscher erklären dies durch einen Überlebenstrieb, der Menschen helfen soll Gefahren zu vermeiden.

Es ist aber gut, uns nicht von Trieben leiten lassen, sondern alles mit offenen Augen zu sehen. Erst wenn unser Blick frei ist, können wir anfangen zu lieben, uns zu freuen und auch zu leben.

Eine gewisse Skepsis finden wir auch im Evangelium vom dritten Adventssonntag (Mt 11,2-11). Johannes der Täufer ist ins Gefängnis geworfen worden. Hier hat er genug Zeit, alles zu hinterfragen. Er hat die Ankunft des Messias und damit den Sieg des Guten über das Böse verkündet. Nun ist er selbst eingesperrt und muss zusehen, wie die Ungerechtigkeit siegt. Es ist verständlich, dass er durch seine Jünger Jesus fragen lässt: „Bist du der, der kommen soll, oder müssen wir auf einen anderen warten?“. Auch heute beginnen viele Menschen an Gott zu zweifeln, wenn sie mit Bösem konfrontiert werden: „Falls es Gott gibt, warum lässt er das Schlechte zu?“. Die Geschichte des Johannes kann diesen Zweifel zuerst sogar bekräftigen. Trotz der Nähe des Messias, trotz einer starken Verbindung zum Sohn Gottes blieben Johannes weder das Gefängnis noch der Tod erspart. Der Messias selbst zeigt offensichtlich keine Stärke und kein gewaltiges Wirken. Erst später werden die Nachfolger Christi verstehen, dass Gott die Welt nicht durch das Bestimmen weltlicher Dinge, sondern durch die Liebe retten wird.

Die Antwort Jesu soll auch uns an diesem Gaudete-Sonntag zu einem Perspektivwechsel verhelfen. Jesus sagt: „Geht und berichtet Johannes, was ihr hört und seht: Blinde sehen wieder und Lahme gehen; Aussätzige werden rein und Taube hören; Tote stehen auf und den Armen wird das Evangelium verkündet.“ Auch wir sollen neu auf die Welt schauen. Denn auch heute, auch in unserem Leben geschieht viel Gutes, auch heute werden zahlreiche Kranke gesund, Herzensblinde beginnen zu sehen und die Gott Fernen fangen plötzlich an, das Evangelium wahrzunehmen. „Selig ist, wer an mir keinen Anstoß nimmt“ – sagt Jesus im heutigen Evangelium. Auch wenn wir das Wirken Gottes in der Welt nicht immer erschließen können, können wir ihm mehr Vertrauen schenken und uns über das Gute in unserem Leben und in unserer Welt freuen.

Kaplan Dr. Alexander Krylov

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