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Liebe Gemeinde,

warum eigentlich Advent? Die Weihnachtsmärkte laufen schon wieder seit Mitte November, Spekulatius und anderes gibt es schon immer im September. Die Lichterketten kommen mit der Zeitumstellung. Wir stellen fest: Der Advent ist für die Allgemeinheit keine konkrete Zeit mehr.

Warum auch? Weihnachtsmärkte, Weihnachtsfeiern und Weihnachtsbäume sind doch schon da!

Von Weihnachten her betrachtet kann man sagen: Wenn die Menschen nicht mehr wissen, was eigentlich am 25. Dezember gefeiert wird, braucht es auch keinen Advent. Ich wage mal zu sagen: Selbst wenn Weihnachten noch mit der Geburt Jesu Christi, des Retters, in Verbindung gebracht wird (und ich gehe davon aus, dass Sie dies tun), hat der Advent oft keine große Bedeutung.

Dies liegt auch an dem Charakter den diese geprägte Zeit, der Advent, hat: Es ist eine Zeit des Wartens. Schauen wir doch mal in unsere Gesellschaft: Wer kann oder will noch warten? Das passt nicht in unsere Zeit! Jede Sekunde wird genutzt. Manche senden alle 5 Minuten eine Nachricht, wo sie sich gerade befinden – an den, der vielleicht warten müsste. „Warten“ ist also negativ belegt: es scheint Unsicherheit zu verursachen.

Aber „Warten“ kann doch auch etwas Schönes sein. Auf einen geliebten Menschen zu warten oder auf ein besonderes Ereignis, bringt doch auch Vorfreude mit sich. Wie können wir aber heute noch „Vorfreude“ beim Warten entwickeln, wenn wir es gar nicht schaffen, zu warten. Eine Weihnachtsfeier jagt die andere – mal mit Bekannten oder Freunden auf den Weihnachtsmarkt zum Glühweinstand – Geschenke besorgen und ein zwei Tage vorher die ganzen Einkäufe für die Feierlichkeiten. Dann wird Besuch empfangen und Besuche gemacht. Und bevor man sich versieht, ist Weihnachten schon wieder vorbei.

Aber haben wir dabei nicht irgendetwas übersehen? Haben wir nicht irgendwen übersehen? Wenn wir so – mit Vollgas – durch Advent und Weihnachten jagen, dann kommt es halt vor, dass wir an Jesus vorbeirauschen. Ohne ihn zu bemerken. Er liegt ja schließlich ganz still, abseits in einem Stall.

Der Advent ist eine Zeit des Wartens. Mal das Tempo reduzieren – „entschleunigen“. Sonst verpassen wir den Wichtigsten: Jesus Christus. Der Advent ist eine Zeit des Wartens und der Vorfreude. Dann ist es keine gestohlene Zeit, sondern geschenkte Zeit – für das große Geschenk an Weihnachten. So wünsche ich uns allen ein freudiges Warten.

Pfarrvikar Wolfgang Biedaßek

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