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Liebe Gemeinde,

als die Sonne am Morgen des Ostertages aufging, konnte man der Erde nicht ansehen, dass alles, was zählt, anders geworden war. Maria von Magdala eilt an diesem Morgen zum Grab, traurig und voller Fragen. Sie geht zu einem Ort des Todes und erfährt neues Leben.

Das Evangelium vom vergangenen Ostersonntag, die Erscheinung Jesu vor Maria Magdalena (Joh 20,1-18), findet seine Fortsetzung im Evangelium vom 2. Ostersonntag, wo der Auferstandene – nach der Erscheinung vor den Jüngern (Joh 20,19-23) – wiederum einem einzelnen Menschen begegnet; diesmal dem Apostel Thomas (Joh 20,26-29). Es sind gerade diese Glaubensgeschichten, in denen einzelne im Mittelpunkt stehen, die es dem Hörer oder Leser des Evangeliums besonders gut ermöglichen, sich selber im erzählten Geschehen wiederzuerkennen: Mit den eigenen Glaubenszweifeln im Apostel Thomas und seinem Zweifeln an der Wahrheit des Auferstehungsglaubens. Oder eben auch in Maria Magdalena, der „Apostelin der Apostel“ (so Thomas v. Aquin), in ihrer abgründigen Erfahrung, von Gott und der Welt verlassen zu sein.

Auch heute kommen Menschen in solchen Grenzsituationen immer wieder mit Gott „in Berührung“. So erzählte mir zum Beispiel ein junger Mann nach einer schweren Depression: „Ich war nicht mehr bei mir. Ich konnte nichts mehr, auch nicht glauben. Irgendwann habe ich gespürt: Gott sieht mich, selbst im schwärzesten Schwarz ... und langsam veränderte sich etwas in mir. Jetzt kann ich wieder ‚bei mir sein‘.“

In Krankheit und Leid wird mancher von uns sensibler, aufmerksamer für „das, was zählt“. Christlich gesprochen ist dies vor allem anderen Gott selber. Seine Gegenwart suchen und erfahren wir aber nicht nur in schweren Zeiten des Lebens, sondern gerade auch in Augenblicken des Glücks. Dann wird zum Beispiel die Geburt eines lang ersehnten Kindes für nicht wenige Menschen zu einer Grenzerfahrung ihres Lebens, in der sie dem Gott, „der die Toten lebendig macht und das, was nicht ist, ins Dasein ruft“ (Röm 4,17) ganz nahe kommen.

Vielleicht noch keine Grenzerfahrung, auf jeden Fall aber ein herausragendes Ereignis im Leben eines Kindes ist die Feier der Erstkommunion, zu der am Weißen Sonntag die ersten in unserem Seelsorgebereich geführt werden; weitere werden in den kommenden Wochen folgen.

Ihnen ganz besonders, aber auch allen anderen wünsche ich solch berührende und aufweckende Begegnungen in dieser Osterzeit!

Diakon Gerd Klein

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